Landtagsrede zum TOP 46 – Bericht der Landesregierung zur Situation und Arbeit der Familienzentren in Schleswig-Holstein. Anstelle einer Debatte wurde die Rede zu Protokoll gegeben.
9.10.2026
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Kolleginnen,
ich finde es sehr positiv, dass wir in den letzten Monaten hier im Landtag intensiv
über familienpolitische Themen sprechen. Mehrfach über die Situation alleinerziehender Familien, zu den geplanten Kürzungen auf Bundesebene beim
Unterhaltsvorschuss und zu familienpolitischen Maßnahmen.
Und heute sprechen wir nun über die Situation und die Arbeit unserer Familienzentren, die als Struktur seit 2014 existieren und in den letzten zwölf
Jahren für viele Familien in Schleswig-Holstein eine wichtige Stütze und
Anlaufstelle geworden sind, als ergänzendes Angebot zu den
Familienbildungsstätten.
Bei Sozialministerin Aminata Touré und ihrem Ministerium bedanke ich mich
ausdrücklich für den vorliegenden schriftlichen Bericht und für Ihre
Ausführungen.
Warum ist die Arbeit der mehr als 140 Familienzentren in Schleswig-Holstein
eigentlich so wichtig? Weil sie intensive Familienarbeit im Sozialraum übernehmen, und zwar dort, wo Kindertageseinrichtungen an ihre Grenzen kommen. Sie sind wichtig, weil sie bestehende und neue Angebote aus Bildung,
Sozialwesen und Gesundheit vernetzen und wichtige Kooperationen schaffen.
Und weil sie auch diejenigen Eltern unterstützen, die ihre Kinder noch nicht in
einer Kita haben. Das alles passiert niedrigschwellig, präventiv und verlässlich.
Familienzentren sind genau dort, wo Unterstützung funktionieren muss: nah an
den Menschen, ohne komplizierte Zugangsvoraussetzungen, und ohne dass
Eltern erst beweisen müssen, dass sie ein Problem haben. Und genau da wird
der Bericht besonders interessant. Denn er zeigt deutlich, dass die Stärke der
Familienzentren in ihrer Niedrigschwelligkeit und in ihrer Beziehungsarbeit liegt.
Viele beraten und begleiten Eltern mit hoher Intensität, arbeiten intensiv an der
Teilhabe von Familien mit Migrationsgeschichte und widmen sich intensiv der
Unterstützung besonders benachteiligter Kinder.
Familienzentren öffnen Türen zu Bildung und Teilhabe. Das ist genau die
Funktion, die wir brauchen. Sie sind Brückenbauer. Zwischen Eltern und Kita.
Zwischen Familien und Beratungsangeboten. Zwischen Familien und
Jugendhilfe. Zwischen Menschen, die Unterstützung brauchen, und den Hilfen,
die bereits vorhanden sind. Und oft beginnt das mit einem Elterncafé. Mit einem
offenen Treff. Mit einer vertrauten Person, die man schon einmal gesehen hat.
Oder mit einer anderen Mutter, die sagt: „Komm doch einfach mal mit.“
Der Bericht zeigt, dass genau diese persönlichen Zugänge entscheidend sind.
Mund-zu-Mund-Empfehlungen sind der zentrale Zugangsweg. Die meisten
Angebote funktionieren deshalb, weil sie ohne Vorabanmeldung sind, offene
„Komm-und-geh-Angeboten“.
Das ist eine wichtige Erkenntnis für unsere Sozialpolitik: Niedrigschwelligkeit ist
keine Zusatzqualität. Niedrigschwelligkeit ist die notwendige Voraussetzung
dafür, dass Unterstützung überhaupt ankommen kann. Niedrigschwelligkeit ist
ein Markenzeichen von Familienzentren.
Wenn wir Familien durch Prävention erreichen wollen oder es schaffen wollen,
dass Kinder frühzeitig in einer Kita angemeldet werden, dann müssen wir dahin
gehen, wo die Familien bereits sind, die eine zu geringe Betreuungsquote haben.
Und deshalb ist es richtig, dass mit „KiTa für Alle“ jetzt auch aufsuchende Arbeit
stärker in den Blick genommen wird. Der Bericht zeigt außerdem, dass es im
Berichtszeitraum eine hohe Unsicherheit der Fachkräfte zu Planungssicherheit
und Finanzierung gab. Auch das müssen wir ernst nehmen.
Zu beiden Punkten gehen wir mit der neuen Förderrichtlinie im Zuge von „KiTa
für Alle“ wichtige Schritte: Die neue Förderperiode wird nun zum zweiten Mal in
dieser Legislaturperiode eine vier- bis fünfjährige Geltungsdauer haben und der
Landeszuschuss der Familienzentren, die ja sowohl kommunal als auch
landesgefördert sind, wurde gerade erst um drei Millionen Euro angehoben, von
5,5 Millionen auf 8,5 Millionen Euro, um diejenigen Familien gezielt zu erreichen,
die bisher ihre Kinder noch nicht in die Kita schicken.
Liebe Kolleg*innen,
der heute vorliegende Bericht ist für mich vor allem eines: eine wichtige
Bestandsaufnahme darüber, was Familienzentren in Schleswig-Holstein bereits
leisten und gleichzeitig ein Auftrag, darüber zu sprechen, was sie noch brauchen,
damit diese Arbeit gut fortgeführt werden kann. Familienzentren sind ein
zentraler Bestandteil einer Familien- und Kinderpolitik, die Chancengerechtigkeit
in den Mittelpunkt stellt.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.