Industrie- und Handelskammer zu Lübeck

von links nach rechts: Joschka Knuth, Catharina Nies, Jasper Balke, Oliver Brandt, Ines Strehlau,Kathrin Ostertag, Rüdiger Schacht, Hagen Goldbeck und Lars Schöning

Mein Besuch bei der IHK zu Lübeck

Zwei Stunden lang ging es mit Präsident Hagen Goldbeck und Hauptgeschäftsführer Lars Schöning um Energiepolitik, den Lübecker Hafen, Verkehr, um Fachkräfteentwicklung, Berufliche Bildung, Digitalisierung und Zuwanderung.

Als ehemalige Flüchtlingsreferentin der IHK zu Flensburg ist mir der Dialog mit den Kammern sehr wichtig, weil ich weiß, dass sie weit mehr vertreten als nur reine Marktinteressen.

Sie repräsentieren die regionale Wirtschaft – die kleinen und mittelständischen Unternehmer*innen aus Ostholstein, Lübeck, dem Herzogtum Lauenburg, Segeberg und Stormarn. Viele Arbeitgeber*innen in Schleswig-Holstein sind mir in den letzten Jahren begegnet, die mit großem Engagement und Freude ihre Strukturen und Teams interkulturell geöffnet haben und geflohene Menschen eingestellt oder ausgebildet haben. Unternehmer*innen, die für ihre zugewanderten Arbeitnehmer*innen einstanden und sich politisch und rechtlich für sie eingesetzt haben.

Wir brauchen eine offene und starke Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Nur so erreichen wir auch eine offene und starke Zivilgesellschaft. Menschen mit unterschiedlichster Herkunft sollen sich erfolgreich auf unserem Arbeitsmarkt partizipieren, berufliche Vorbilder werden und von anfänglichen Sozialleistungen unabhängig werden können.

Für mich ist wichtig Herausforderungen systematisch zusammen zu denken: wenn ich flüchtlingspolitisch erreichen möchte, dass ein Großteil hier geduldeter Menschen bleiben dürfen, weil sie schon längst Teil dieser Gesellschaft sind, und auf der anderen Seite in meiner Region Ostholstein dringend Arbeits- und Fachkräfte gesucht werden und immer mehr kleine und mittlere Unternehmen wegen fehlenden Mitarbeiter*innen oder Nachfolger*innen schließen müssen oder ganze Ausbildungsgänge in der Fläche nicht gehalten werden können – dann müssen wir neue innovative Wege finden, um aus beiden Problemen eine Lösung zu schaffen.

Dazu gehört aufenthaltsrechtliche Sicherheit für Menschen zu schaffen, die sich auf eine Ausbildung, ein Studium oder einen Job vorbereiten oder bereits auf dem Arbeitsmarkt angekommen sind. Die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen muss stark ausgebaut werden – wir können uns niemanden mit Qualifikation leisten, der aufgrund von Formalia oder fehlender Nachqualifizierungsangeboten nicht in seinem Job arbeiten darf. Und wir können es uns nicht leisten, dass junge Erwachsene den Sprung in eine Ausbildung nicht schaffen, weil sie mit 18 Jahren aufgrund ihrer Volljährigkeit zu früh „abgeschult“ werden. Wir brauchen auch für zugewanderte Menschen, die erst im Jugendalter hierherkommen, die Möglichkeit einen Schulabschluss zu machen. Das Ziel muss immer sein die Chance auf einen qualifizierten Berufseinstieg aufrecht zu erhalten.

Es war gut mit der IHK über dieses Thema zu sprechen und deutlich zu machen, dass das Engagement der Wirtschaft in der Flüchtlingsfrage erwünscht ist. Viel zu verwirrend und demotivierend waren die letzten Jahre unter Bundesinnenminister Seehofer. Er hat viele Flüchtlingsarbeitgeber*innen mit seinen harten Gesetzesänderungen vor den Kopf gestoßen. Wir alle gemeinsam müssen jetzt zeigen, dass auf Bundesebene ein neuer Wind herrscht und wir deshalb auf Landesebene auch eine viel offenere Politik werden umsetzen können. Nur, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um hier neu ankommenden Menschen den Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wird es auch gelingen.

Unterwegs war ich mit Joschka Knuth, wirtschaftspolitischer Sprecher und Ines Strehlau, schulpolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion Schleswig-Holstein und den anderen Kandidierenden aus dem Bezirk der IHK Lübeck Jasper Balke, Oliver Brandt und Sophia Marie Pott.

(März 2022)

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